Heute vor 90 Jahren, am 11.11.1918, trat der Waffenstillstand zwischen der Entente, hauptsächlich Frankreich, Großbritannien, Italien und USA, und den Mittelmächten, hauptsächlich Deutsches Reich und Österreich-Ungarn, in Kraft. Alle trauern und gedenken, nur wir nicht.
Das Jahr 1918 war bewegt. Der größte bisher gesehene Krieg war im vierten Jahr. Russland schied aus dem Krieg nach der Oktoberrevolution und dem Frieden von Brest-Litkowsk aus. Die USA waren Ende 1917 eingetreten. Im März, April nutzte die Oberste Heeresleitung den Wegfall der Ostfront für die Entscheidungsschlacht. Der deutsche Angriff brach die alliierte Front tief auf, führte bis kurz vor Paris. Doch der Blutzoll von bis zu einer halben Million Soldaten konnte nicht mehr weggesteckt werden. Täglich verschoben die frischen Sreitkräfte aus Übersee das Kräfteverhältnis. Ende des Sommers war der Frontverlauf wieder auf Höhe der “Siegfriedlinie” zurück. Im Herbst dann musste sich die kaiserlich Armee der Übermacht geschlagen geben, die Verbündeten Osmanisches Reich, Bulgarien und Österreich-Ungarn kapitulierten im Süden und Osten. In der Heimat meuterten die Matrosen und die Arbeiterschaft. Die Bevölkerung wollte nicht mehr. Die deutsche Armee bat daher um Frieden. In den Wäldern von Compiégne wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Am 11.11.1918 trat er in Kraft.

Soldatenfriedhof bei Verdun
Der 1. Weltkrieg fand vor allem zwischen Deutschen auf der einen und Franzosen und Briten auf der anderen Seite statt. Die Entente gedachte dem historischen Tag heute in Douaumont, in der Nähe von Verdun. Jene Schlacht, die etwa 700.000 Deutschen und Franzosen das Leben kostete und von dem damaligen Generalstabschef Falkenhayn zur Entscheidungsschlacht hochstilisiert wurde.
In Deutschland dagegen fand heute nichts statt. Den 1,8 Millionen Gefallenen auf deutscher Seite, sowie den etwa 1,5 Millionen Gefallenen der k.u.k-Monarchie und der halben Millione Soldaten der anderen Verbündeten wird in Deutschland nicht gedacht. Auch aus Österreich sind uns keine Gedenkfeiern bekannt. Diese Soldaten hätten ihr Leben sicher nicht fürs Vaterland gegeben, wenn sie wüssten wie ihnen heute ins Gesicht gespuckt wird. Auch beim Tode des letzten Veteranen auf Seiten der Mittelmächte, Franz Künstler, wurde nichts unternommen um ihn stellvertretend zu ehren. In Frankreich wurde der letzte Veteran dieses Jahr im Invalidendom beigesetzt – begleitet von seitenlangen Nachrufen in allen Zeitungen.

Mitterrand und Kohl in Verdun 1984
Frau Merkel jedoch gedachte heute auch dem Jahrestag. Allerdings nicht in Deutschland. Sie war heute in Polen und gratulierte zum Jahrestag der Unabhängigkeit. Jeder muss eben wissen, wem er dient und welchem Land er verpflichtet ist. Wahrscheinlich denkt sie auch noch Deutschland wäre am Krieg schuld, obwohl Gerd Schultze-Rhonhoffs Meisterwerk “Der Krieg der viele Väter hatte” dies schon lange widerlegt hat.
November 12, 2008 um 14:02
Am 11.11. beginnt in Deutschland die Saison der Narren.
November 12, 2008 um 16:03
Die Bundesrepublik ist kein Vaterland. Sie ist, wie Carlo Schmid sie bezeichnete, ein “Staatsfragment”. Und in diesem Sinne ist auch ihr Verständnis für die deutsche Geschichte “fragmentarisch”.
Und gerade über Opferwillen und Opferbereitschaft der Menschen im Ersten Weltkrieg zu sprechen ist schwer. Die moderne Zivilisation, die uns heute so selbstverständlich ist, war, als der Krieg ausbrach, zu einem Gutteil erst gerade einmal ein Vierteljahrhundert alt. Und sie mündete gleich im Inferno der Materialschlachten. Voller Patriotismus maschierte man an diesen Krieg und erlag alsbald darauf seinen Illusionen. Der beste Staat, den die Deutschen sich geschaffen hatten, ging darin unter, wurde einfach weggewischt. Der Ernüchterung, die ein Krieg brachte, auf dessen Schlachtfeldern Hunderttausende gefallen waren, war zu stark, als das an seinem Ende Werte noch Bestand hatten.
Ohne diesen Krieg hätte es die BRD niemals gegeben. Die BRD jedoch kann dem Ende dieses Krieges nicht gedenken, weil sie Angst davor hat, daß Wiederentdeckt wird, was mit diesem Kriege verlorenging.