Handelsblatt sieht “Rechtsrutsch”
Ein wirklich lesenswerter Artikel von Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer wurde uns heute zugemailt. Wir können ihn wirklich nur empfehlen:
“Der Rechtsruck
Von Wolfram Weimer
Erst gewannen die Konservativen in Frankreich, dann in Italien, jetzt in England. Und wenn die Umfragen nicht trügen, dann dürfte zu aller Überraschung sogar der Republikaner Mc Cain in den USA neuer Präsident werden und nicht die medialen Stars der Linken, Clinton und Obama. Es gibt in der westlichen Welt zwar einen gefühlten Linksschwenk, in Wirklichkeit aber Wahl für Wahl einen politischen Rechtsruck.
Ob Walter Veltroni, Ségolène Royal, Gordon Brown oder Kurt Beck – sie machen alle die gleiche Erfahrung. Der Wind des Zeitgeistes scheint ihre Segel zu füllen, die Strömung der Machtpolitik aber treibt genau in die andere Richtung. Es könnte gut sein, dass im kommenden Jahr die sechs wichtigsten Staaten des Westens von Konservativen geführt werden.
In Frankreich erklärt man diesen Trend kulturell. Die „neue Linke“ sei ein reines Oberflächen-Phänomen. Die kulturelle Tiefenstimmung der westlichen Zivilisation sei dagegen ganz auf bürgerliche Restauration geprägt. Der Kampf der Kulturen mit dem Islam und der wirtschaftliche Druck der Globalisierung stärkten konservative Haltungen immer weiter. Figuren wie Sarkozy und Berlusconi würden deshalb gewählt, weil sie konservative Beschützerreflexe auslösten.
Tatsächlich gelingt es der Linken es einfach nicht, die Modernisierung für sich zu reklamieren. Sie hat keine Avantgarde-Verheißung mehr. Jahrzehntelang galt im 20. Jahrhundert, dass der Fortschritt links stehe. Heute wirken linke Bewegungen besitzstandswahrend, technikfeindlich, rückwärtsgewandt. Vor allem die Gewerkschaften tapern wie Dinosaurier durch die Gegenwart.
Zugleich zeigt sich eine Spätfolge der kommunistischen Diktaturen, denn die Linke hat seither den Kredit der überlegenen Moralität und Utopie verloren. Seit 1989 steht sie nicht mehr automatisch auf der Seite der Guten. Vor allem unter Intellektuellen hat es daher eine enorme Distanzierung gegeben. Der Historiker Jacques Juillard beschreibt den neuen Widerspruch so: »Das Wort Linksintellektueller war lange Zeit ein Pleonasmus, heute wird es zu einem Oxymoron.«
Wer aber die öffentliche Moral definiert, der hat früher oder später auch die politische Macht. Man erinnert sich noch an Jimmy Carter oder Ralph Giordano oder Rita Süssmuth. Die moralischen Gefühlstaucher waren einst so in Mode, dass man ihren Epigonen an Elternabenden ebenso begegnete wie auf Weihnachtsbasaren und in Talkshows. Ihre Betroffenheitsrituale und ihre Lichterketten nervten irgendwann. Denn sie wussten moralisch immer alles besser – die selbstgefälligen Sachverwalter des Ethischen. Plötzlich gab es ein Schimpfwort für sie, das im aufbrandenden Meer der Political Correctness wie ein Mond die Ebbe erzwang: Gutmenschen!
Der Begriff wirkte Wunder. Ob Claudia Roth oder Michel Friedman oder Johannes Rau – es reichte ein Wort, und sie waren entlarvt. Die Harald-Schmidt-Generation witzelte den Begriff schließlich derart hinein in den Sprachgebrauch, dass jeder Sandkastenbub den anderen einen Gutmenschen schimpfte, wenn der nur seine Schokolade teilen wollte.”
Wir haben nur ein Fragezeichen: “die sechs wichtigsten Staaten des Westens” sind natürlich USA, GB, Frankreich, Italien, Kanada und Deutschland. Die Feststellung, dass im kommenden Jahr alle sechs “von Konservativen geführt werden”, stimmt aber so nicht ganz…
Denn in GB wird Gordon Brown seine Abwahl sicher bis Mai 2010 hinauszögern und Deutschland hat leider keine wirklichen Konservativen mehr zu bieten, die in der kommenden Zeit Kanzler werden würden. Denn Angela Merkel zählt sicher nicht dazu. Friedrich Merz, Roland Koch, Edmund Stoiber, Stefan Mappus, Wolfgang Bosbach u.a. wären aber wirkliche Alternativen.
Insgesamt zeigt sich der Trend immer deutlicher. Denn auch Spanien wäre wieder an die Konservativen gefallen, wenn die ETA nicht im Zielspurt die sozialistische Basis mobilisiert hätte. Wenn bei den nächsten Wahlen auch noch Österreich, Schweiz und Holland (noch weiter) nach rechts rücken, dann wird die westliche Welt nur noch in Portugal und Spanien links regiert. Die Zukunft wird also spannend.
Mai 9, 2008 um 5:38 Uhr nachmittags
Wolfram Weimer schreibt immer wieder gute Artikel. Hoffentlich behält er auch Recht mit seiner Vorhersage. Ein kräftiger Rechtsrutsch wäre für das Land eine Befreiung.
Mai 10, 2008 um 12:53 Uhr nachmittags
Leider ist es bei uns ja immer noch so, dass die sog. Alt68er und “Gutmenschen” aus der rot/grünen Ecke die Deutungshoheit über alles und jeden zu haben glauben, von der linkslastigen Presse ganz zu schweigen.
Doch der Wind dreht sich…
Mai 10, 2008 um 1:05 Uhr nachmittags
Hoffen wir es!!
Mai 11, 2008 um 6:02 Uhr nachmittags
Ermutigend - es geht vorwärts !